Einfach Anders? Vom Gefühl nicht in diese Welt zu passen
Ich würde behaupten, wenn ich wollte könnte ich mir ADHS diagnostizieren lassen. Mein Gehirn ist schnell, kann mehrere Gedanken gleichzeitig denken und dabei noch Musik im Hintergrund spielen lassen. Ich habe mehrmals täglich tolle Ideen und bin überfordert mit der Lautstärke in meinem Kopf. Administrative Aufgaben, oder das halten einer Routine strengen mich an, wenn ich aber das Gefühl habe etwas bewirken zu können, bin ich mit voller Power dabei. Was mit dieser Lautstärke in meinem Kopf kommt, ist aber eben auch ein ständig überladenes Nervensystem, das in die Strukturen dieser Welt in die ich geboren wurde nicht passt und damit einfach überfordert ist.
Ich interessiere mich für fast alle Dinge des Lebens und es gibt nur eine Sache die ich jemals in der tiefe versuch habe zu verstehen und das ist Lebensführung, Gott und ganzheitliche Gesundheit. Alles andere habe ich probiert, kann auch etwas darüber erzählen, habe es aber dann relativ schnell wieder fallen lassen, weil es mir langweilig wurde.
Die Frage nach dem Warum war schon in jungen Jahren groß in mir. Bereits im Kindergarten sagte die Erzieherin zu meiner Mutter ,,Alle Kinder sagen Ja, Gabi. Nur die Irene muss immer warum fragen''. In der Grundschule wurde mir relativ schnell langweilig in Mathematik. Mein Gehirn konnte die ständig wiederkehrenden gleichen Aufgaben einfach nicht verstehen. Im Allgemeinen verstand ich nicht, wieso wir jeden Tag in der Schule sitzen mussten um Aufgaben zu lösen und Dinge zu lernen. Still auf einem Stuhl. So wurde ich dann relativ schnell als ,,abnormales Kind'' in der Grundschule zum Psychologen geschickt und ich erinnere mich heute noch an den Psycholigen Dr. Reber. Ich saß auf einem kleinen Stuhl an einem Kleinen Tisch und er hatte mir, währenddem er mit meiner Mutter sprach, aufgetragen ein Bild zu malen. Ich wusste ganz genau, woher auch immer, dass er mich das Bild malen lassen wollte um ein Bild meines psychischen Zustands zu bekommen. Ich überlegte mir, was ein Psychologe nun wohl von mir sehen wollte um mich in Zukunft in Ruhe zu lassen. Ich wusste ich dürfte nichts dunkles malen, im Idealfall eine glückliche Familie, einen Baum mit einem dicken Stamm und langen Ästen, blauen Himmel, viele Blumen und im Idealfall noch einen Regenbogen. Wie ich all diese Dinge als 9 oder 10 Jährige schon wusste, weiss ich heute auch nicht mehr. Hätte ich ihm ein wahres Bild meines Inneren gemalt, wäre er wahrscheinlich völlig verwirrt gewesen.
Ich bin Vorstand in einer Schule, hatte lange einen 100% Job, ein Nebengewerbe und eine Familie der ich immer noch genug Zeit widmen konnte. Die Menschen fragen sich wie ich das mache? Ich wundere mich warum sie sich das fragen :) Und doch weiss ich, dass mein Nervensystem Balance und Ruhe braucht und vor allem aber ein langsameres Leben. Dennoch ist meine Idealvorstellung definitiv Slow Live am Waldrand mit großem Grundstück und einem Job, den ich aus Leidenschaft gerne mache und nicht 8 Stunden am Tag machen muss. Ich durfte das Leben in Montenegro kennen lernen. Dort ticken die Uhren einfach andres und mein Nervensystem braucht das auch. Deshalb mache ich gerade auch eine Ausbildung um dann in ca. einem Jahr die Prüfung zur Heilpraktikerin anzutreten und hoffentlich auch zu bestehen.
Auch heute kann ich Aufgaben die mir Spaß machen doppelt so schnell lösen wie Andere, platze allerdings innerlich vor Unruhe wenn ich eine Ablage sortieren muss. Genau das ist es, was es mir auch auf dieser Heilreise schwer gemacht hat.
Ich hinterfrage alles und Dinge die ich gestern noch geglaubt habe, schmeiße ich heute wieder über Board, wenn ich merke das sie nicht stimmen. Ich bin absolut im Stande mich selbst ehrlich im Spiegel zu betrachten und es fällt mir oft sehr schwer zu verstehen, wenn andere das nicht können, oder die Worte die ich spreche nicht verstehen.
Man kann mich nicht festnageln. Ich lese die Bibel, studierte die Praktiken der Q'ero Schamanen in Peru, las Bücher über die Lebensweise von Japanern, befasste mich mit dem Buddhismus und der Mantralehre, der Kirche und Freichristlichen Glaubensgemeinschaften, führte Unterhaltungen mit den verschiedensten Personen und in mein Grundsatz ist immer - Ich behalte aus allem das Gute und lass das schlechte. Um zu wissen, was schlecht ist, muss ich aber die Frage ,,Warum'' stellen. Meine Lehrerin der Heilpraktiker Ausbildung kann davon ein Liedchen singen, denn egal was sie erzählt, ich möchte immer verstehen wieso das so ist. Leider gibt es nicht für alle ,,Warums'' von mir eine Antwort. Alles was mit Extremismus zu tun hat, bin nicht ich. Da bin ich sofort raus.
Kurzum ich folge keinem Glaubenskonstrukt und auch wenn ich manchmal die Bibel zitiere, zitiere ich mindestens genauso oft die Q´ero. Das ist aber auch genau das was mich manchmal rastlos macht. Ich gehöre nirgends richtig dazu. Ich wünsche mir ich könnte einfach Teil einer Freichristlichen Glaubensgemeinschaft sein, die Bibel rezitieren und dort dazu gehören. Meine ehrlichen Warum Fragen, stellen aber auch die Bibel in Frage und das ist in solchen Gemeinden oft nicht gewünscht, denn die Bibel ist das Wort Gottes und Punkt. Würde Jesus wieder kommen, so glaube ich, würde er nicht da stehen und sagen ,,Ach Mensch, meine lieben Christen, zum Glück habt ihr alles verstanden, jetzt lass mich euch lehren'' ich glaube er würde wieder das ganze Konstrukt zum wackeln bringen und genau deshalb würden ihn diese Menschen nicht erkennen. Ich weiss nicht, ob ich es würde und das will ich damit keinesfalls sagen - aber jedenfalls bin ich mir ziemlich sicher, dass die meisten ihn nicht erkennen würden, auch wenn sie heute behaupten, dass sie es würden.
Jedenfalls genauso verhält es sich in anderen Spirituellen Gemeinschaften. Das was die Q´ero erzählen ist Gesetzt und die Frage Warum ist einfach überall unangenehm. Sicherlich bis zu einem bestimmten Punkt ok aber wenn es dann damit beginnt, dass man wirklich das schlechte identifiziert und hinterfragt und das gute behält, ist Schluss mit lustig.
Das blinde Folgen, so glaube ich manchmal ist so tief in den Menschen verankert, dass man Worte der Wahrheit sprechen kann, die potentiell erweckend sein könnten aber die Menschen hören sie, hören sie aber doch nicht. Es macht mich manchmal wirklich verzweifelt. Aber verzweifelt bin ich auch oft meinem eigenen Kopf.
Ich hatte immer schon das Gefühl nicht richtig hier her zu gehören. Nicht wirklich in diese Welt zu passen. Auch in Gruppen, in denen ich mich ,,zugehörig'' fühle, habe ich weiterhin das Gefühl fremd zu sein. Ich denke anders, ich fühle intensiver. Ich weiss oft schon weit vorher, wenn jemand nicht die beste Intention im Sinn hat - auch wenn andere diese Person bis an die Decke erheben. Ich spüre was andere denken und nicht sagen, ob es jemanden wirklich gut geht oder er es nur sagt. Ich spüre Emotionen viel stärker als andere und muss gut für mich sorgen um von der sich entwickelnden Welle meiner Emotionen nicht unter Wasser gedrückt zu werden. So bin ich mir der Zeit zu einer guten Schwimmerin im Meer meiner Selbst geworden. Deshalb schreibe auch diesen Beitrag.
Ich möchte, dass du weißt: Wenn es dir ähnlich geht und du diese Zeilen fühlen kannst. Du bist nicht alleine. Ich glaube sogar daran, dass es eine Welt gibt in der all das Sinn macht und ich werde nicht ruhen, bis sich diese Welt mir offenbart hat und ich dich dahin einladen kann! Ich weiss, dass wir hier sind um großes zu bewirken. Nicht, weil wir besser sind als die anderen - Keinesfalls. Aber wir sind anders und wir haben eine andere Aufgabe. Nämlich dieses System zu verändern. Nicht mit Druck und erhobenem Finger, sondern aus uns heraus.
Ich möchte dir heute sagen, was ich getan habe und immer noch tue, um inneren Frieden zu etablieren, ihn zu Leben und einem Lebensmodell zu folgen, das Veränderung schafft - ehrlich - authentisch und nachhaltig. Denn ich gehöre nicht zu dieser normalen Welt und heute kann ich voller Kraft sagen: ICH MÖCHTE AUCH NICHT DAZU GEHÖREN!
1. Es ist unglaublich wichtig sich um das Nervensystem zu kümmern. Das immer wieder fast ,,abbrennen'' und sich Energielos fühlen kommt nämlich genau aus diesem Lebensstil, der das Nervensystem auf Dauer Kampf - oder Flucht laufen lässt. Wie du das machen kannst, darfst du selbst herausfinden. Mir helfen:
Körperliche Aktivität in der Natur
Tägliche Spaziergänge durch die Natur sind meine große Liebe. Ganz in Ruhe und nur mit mir selbst und Gott. Das mache ich jeden Tag! Ja! Es ist super wichtig eine Routine zu finden und diese beizubehalten, auch wenn es am Anfang schwer ist. Im Idealfall startest du so deinen Tag, oder endest ihn so. Lass es also zum Rahmen deines Tages werden. Zwischendrin mal schnell funktioniert für mich nicht gut. Ich brauche eine klare Ausrichtung für meinen Tag und deshalb mache ich das morgens. Es gibt Tage an denen schaffe ich es nicht und das ist ok. Dafür hole ich es dann abends nach. Finde etwas, das dir wirklich Spaß macht und gut tut, draußen in der Natur. Laufen, gehen, Fahrrad fahren...was auch immer es für dich ist.
Wenn ich oben auf einem Hügel / Berg spaziere und das ganze Land, sowie die Sonne sehen kann, bin ich absolut zufrieden.
Ätherische Öle:
Ich kann dir nicht sagen, wie sehr sie mich seit ich sie benutze unterstützt haben! Ich bin diesen Pflanzen bis ins unermessliche Dankbar. Weihrauch, Balance (Eine Mischung von Doterra), Schwarzfichte, Copaiba und viele mehr haben mir geholfen mich zu sammeln, herunter zu fahren oder zu motivieren.
Akkupressurmatte:
Am Anfang tut sie weh, sie entspannt mich aber wirklich sehr gut! Dazu mache ich gute Musik an, schließe die Augen und meditiere. Sie lehrt mich nicht nur, dass ich Dinge aushalten kann, auch wenn mir mein Geist sagt ,,Hör auf mich dem Scheiss, das tut weh'', sondern die Form der Entspannung die ich danach fühle ich unglaublich.
Fasten:
...Fasten...Fasten. Vor allem Menschen die schnell im Kopf sind. Ich möchte sagen Neurodivergente Menschen haben oft viele Anhaftungen. Anhaftungen sind Dinge, mit denen wir unsere innere leere füllen, oder das - mehr als andere fühlen - stillen. Abtöten. Kontrollieren. Zudem sind wir oft überall und nirgendwo. Körperlich anwesend und Geistig heute hier morgen dort. Das sorgt für unglaublich großen Lärm und einen Teufelskreis, der sich unaufhörlich dreht und irgendwann in den Burnout führt. Auch in den spirituellen Burnout. Das Fasten, oder auch Heilfasten erdet einen in den Körper hinein. Es sorgt für Präsenz im Körper, was dabei hilft den Geist wieder in den Körper zu bekommen, wenn er schon wieder an 100 Orten gleichzeitig war.
Zudem diszipliniert es den Geist und dieser ist ja auch oft genau das Thema. Der Geist ist wie ein Efeu der überall hin wächst und überall anhaftet. Bei Menschen mit Neurodivergenz wächst dieser Efeu doppelt oder gar dreifach so schnell und wenn man ihn nicht beginnt zu kontrollieren, dann ist man irgendwann gefesselt von seinem eigenen Geist und kann sich nicht mehr bewegen.
Zudem bietet das Fasten unglaublich großes Potential deinen Körper in mehr Klarheit und Liebe zu bringen.
Das Fasten ist eines der Praktiken, die mir wirklich am Nachhaltigsten geholfen haben Ordnung in mein geistiges Chaos zu bringen.
Ich hoffe dieser Beitrag hilft dir. Lass gerne einen Kommentar da und teile, was der Text mit dir gemacht hat.
Deine Irene